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Enorm belustigt hat mich die neueste Folge der Cartoonserie Family Guy. Den Machern ist es gelungen, eine sehr lustige Parodie auf die Wahlkampfrhetorik zu erstellen, die seit einigen Jahren in den US of A etabliert ist. Wichtig scheint nur, möglichst oft emotional aufgeladene Worte zu gebrauchen und eine Bedrohungskulisse aufrecht zu erhalten. Ich kann nur hoffen, dass sich diese gezielte Einschüchterung nicht auch in Europa durchsetzen wird und die „terroristische Gefährdung“ als Vorwand für alles herhalten muss.
Hier die Rede, in der sich Lois um das Amt des Bürgermeisters bewirbt:
Und hier zeigt sie, bereits im Amt, wie leicht man es sich als Politiker machen kann, an Geld zu kommen.
Je mehr Jahresringe sich um die Seele eines anfangs einfühlsam-zarten, biegsamen Menschenwesens legen, desto seltener wird unsereins mit fortschreitendem Alter vor dem Problem stehen, aus plötzlich eintretendem Entsetzen das Pulver vom Spiegel gepustet zu haben. Man hat eben schon so einiges erleben dürfen.
Deshalb sorgte es bei mir auch nur für ein leichtes Anheben der rechten Augenbraue, als ich heute Morgen lesen musste, dass Benjamin von Stuckrad-Barre für den „Egon Erwin Kisch Preis“ nominiert war, der seit drei Jahren auch als der „Henri Nannen Preis“ in der Kategorie „beste Reportage“ bezeichnet werden kann.
Mit Betonung auf „war“, denn bekommen haben ihn die anderen beiden Nominierten. Liest man sich die drei Reportagen durch, so erklärt sich diese Entscheidung von selbst. So sehr ich seine Fähigkeiten als Vorleser respektiere und seinen literarischen Erfolg achte, so wenig hatte ich damit gerechnet, dass BvSB für eine Reportage prämiert werden könnte! Ebenso unterhaltsam wie seine Schreibe sein kann, so belanglos ist sie auch, hatte ich ein ums andere mal erfahren müssen.
Vitamin B im Spiel?
Einen kleinen Hinweis gibt es allerdings, wie es überhaupt dazu kommen konnte: die Beschreibung von Klaus Wowereits Arbeitsleben (zum Glück nur das Arbeitsleben!) erschien damals im Dezember 2006 in der Jubiläumsausgabe der Tempo. Meine Vermutung ist ja, dass da das gute alte VitaminB im Spiel gewesen sein muss, was angesichts der übrigen Redakteure, welche an jener Ausgabe mitgewerkelt haben, kaum verwundern dürfte.
Das Alter… man gewöhnt sich eben an vieles. Die Bänder und Gelenke wollen nicht mehr so richtig, die Lunge hat kaum noch Volumen oder pfeift und das Haar ergraut. Doch dass ein Preis, der nach Egon Erwin Kisch benannt ist, von Gruner+Jahr sowie dem Stern vergeben werden darf, daran werde ich mich wohl erst dann abfinden können, wenn ich selbst mal eine fette Abfindung kassieren darf.
In den traditionellen Medien werden die Positionen der globalisierungkritischen Linken gerne mal totgeschwiegen unterrepräsentiert. So auch der legitime Protest gegen den in vier Wochen anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm (8. bis 10. Juni). Die Staatsmacht unter Innenminister Schäuble jedenfalls setzt auf Repression und versucht, rechtzeitig vor dem Gipfel allen politisch links von der Mitte stehenden Personen den Stempel „Terrorist“ aufzudrücken.
„Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“ Rosa Luxemburg
Schön, wenn die Polizei ermittelt, weil es Brandanschläge gegeben hat, bei denen geringfügiger Sachschaden entstand. Unglaubwürdig ist dieser Aktionismus aber deshalb, weil er rund zwei Monate nach den letzten Anschlägen geschah und gegen Personen und Einrichtungen zielte, die seit Jahren friedfertig in der linksautonomen Szene tätig waren und nicht im entferntesten „konspirativ“. Welche terroristische Vereinigung bietet denn regelmäßig Treffen an, zu denen jeder Zugang hat und erstellt dann noch aussagekräftige Internetpräsenzen mit Namen und Adressen? Zumal die 18 betroffenen, weil namentlich genannten, Personen ja nicht einmal verhaftet oder verhört wurden.
Die Beamten der Landespolizei und des BKA zeigten ausschließlich Interesse an Mailinglisten und Serverdaten. Dies hat die Auswirkung, dass eine Organisation der Gruppen für den Gipfelprotest erheblich erschwert wird, andererseits auch Personen eingeschüchtert werden und gar nicht erst an die Ostsee anreisen dürften. Ob die Einschätzung von attac-Mitgründer Peter Wahl, die Durchsuchungsaktion habe der Protestbewegung Auftrieb gegeben habe, so richtig ist, mag ich bezweifeln.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele von denen, die man im Allgemeinen als „bürgerliche Mitte“ bezeichnet, abgeschreckt wurden, ihren Protest gegen die Politik der G8 öffentlich kundzutun, weil mensch sich ungern mit „Terroristen“ (oder was Schäuble dafür hält) solidarisiert.
Auf der anderen Seite ist der Teil der Linken, welcher in der Vergangenheit eher gewaltbereit war (entlud sich gelegentlich in Steine und Flaschen werfen sowie Müllcontainer anzünden), nun erst richtig sauer. Daher hat sich die Polizei wirklich einen Bärendienst erwiesen, denn solche „Chaoten“ brauchen jetzt nicht mehr mobilisiert zu werden, sondern werden nur zu gerne nach MV reisen und dort Krawalle anzetteln. So aber bekommt die Politik die TV-Bilder, die sie sich wünscht. Von den erwarteten zwei- bis fünfhunderttausend Gegendemonstranten werden hauptsächlich jene Promille zu sehen sein, die auch Krawall machen.
Demonstration ist eines der elementarsten Grundrechte in einer Demokratie!
Damit ist viel Druck von den Verantwortlichen genommen, so muss zum Beispiel der Bau eines Sicherheitszaunes um den Versammlungsort zu Kosten von rund 12 Milionen Euro nicht gerechtfertigt werden. Ebenso wird sich die Polizistenmeute – mit rund 17.000 Beamten 16.ooo Polizisten sowie über 1.000 Bundeswehrsoldaten wird es der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD – ausgiebig abreagieren können und der Teufelskreis aus Gesetzesverschärfung und Widerstand neuen Schub erhalten.
Das sich von den versammelten Staatsoberhäuptern wohl niemand Gedanken machen wird, warum sie sich nur durch Mauern (Antifaschistischer Schutzwall läßt grüßen) und von einer unglaublichen Polizeimacht (zum Vergleich: in Afghanistan sind insgesamt rund 30.000 ISAF-Soldaten stationiert) geschützt treffen können, ohne vom aufgebrachten Plebs massakriert zu werden, darf man getrost unter „Ironie der Geschichte“ verbuchen.
Wer nicht nachvollziehen kann, was so viele Menschen gegen die G8 aufbringt, dem sei dieses attac-Video empfohlen:
Für eine umfangreiche, aber dennoch unvollständige Zusammenfassung der Ereignisse vom 9.Mai und seiner Folgen, empfehle ich indymedia.
Nachtrag, 18 Uhr: Telepolis legt nochmal nach gegen Schäuble
Keiner ist so verrückt, daß er nicht noch einen Verrückteren findet, der ihn versteht“
Friedrich Nietzsche
Es mutet schon befremdlich an, welche Fülle an Blüten das Internet täglich treibt. Man kann angesichts des großen Erfolges von „Second Life“ kulturpessimistisch den Kopf schütteln, sich desinteressiert zeigen oder ähnlich dem Springerverlag ein Geschäft wittern. Liest man die special-interest-online Zeitschrift the Avastar (erscheint inzwischen die 20.Woche) durch, fragt mensch sich, ob ein wenig Kulturkritik nicht angebracht wäre.
An dieser Stelle sei der Riesenmaschine gedankt, der auch die Idee zur Überschrift entnommen ist. Ich will meine Kritik allerdings zurückhaltend formulieren, denn ich will ja nicht zum Motzblogger abgestempelt werden, sondern mich in Vermutungen darüber ergehen, wie unsere Zukunft aussehen könnte, die ja nicht durch, sondern mit dem Internet gestaltet wird. Als lesenswerte Einführung zum Themenkomplex „virtueller Exhibitionismus“ empfehle ich diesen Artikel bei Telepolis.
Als ich vor zwei Wochen auf Justin aufmerksam gemacht wurde, der seit mittlerweile 50 Tagen keinen Schritt mehr unbeobachtet macht, habe ich mir kurz überlegt, ob so das Web 3.0 aussehen könnte. Kann es aber nicht, denn als solches wird ja bereits häufiger das Semantische Web bezeichnet.
Um Sinn und Zweck, Chancen und Gefahren des neuen „Mediums“ soll es in dieser Reihe gehen, die unregelmäßig erweitert wird.

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